HEIMWEH

Neun ganze, großartige Tage hatte ich Besuch von meinem Freund. Gestern Abend ist er dann in das Flugzeug nach Hamburg gestiegen und geblieben ist ein Gefühl, das in diesem Ausmaß vollkommen neu für mich ist. Ich glaube dieses Gefühl nennt man Heimweh.

Paris alleine ist fantastisch. Es existiert für mich ein ganz neuer Freiraum für Gedanken und Empfindungen. Keine Kompromisse, keine Rechtfertigungen, keine Pflichten. Meine Sinne sind geschärft und ich drehe mich nur um mich. Paris zu zweit ist aber mindestens genau so schön. Vor Ort die Begeisterung weitergeben, endlose Gespräche führen, Macarons teilen, um mehr Geschmacksrichtungen testen zu können. Picknick im Bett, weil es regnet, kitschige Pärchen-Touri-Selfies machen und Händchen halten. Ein anderer Blickwinkel. Nicht besser, nicht schlechter. Aber vermeintlich sicherer.

Zusammen haben wir Sehenswürdigkeiten bewundert, Cafés entdeckt und vor allem ohne Punkt und Komma geredet. Naja. Eigentlich hab eher ich geredet. Aber das kennt er ja und lässt es geduldig über sich ergehen. Und jetzt, wieder allein, kommen mir meine winzigen 9qm plötzlich so groß vor, dass ich mich gefragt habe, ob er eventuell ein Möbelstück mitgenommen hat. Die Hälfte meiner Zeit ist jetzt rum und durch den Abschied kam auf einmal der deutliche Wunsch bei mir auf, mit nach Hause zu fliegen. Ich vermute es ist egal, ob man sich nur ein Dorf weiter, in der eigenen Traumstadt oder am schönsten Strand der Welt befindet. Eines Tages möchte wahrscheinlich jeder heimlich kurz zu Mama auf den Schoß.

Überraschend für mich ist, welche Dinge mir tatsächlich fehlen. Ich vermisse nicht die Auswahl an Klamotten, den Fernseher und die große Fläche meiner Wohnung. Ich vermisse einen Backofen! Und meine Kaffeemaschine, weil jeden Tag Starbucks echt teuer ist und ich Instant Pulver einfach nicht ertragen kann. Mir fehlt auch weniger mein Bett als mein blödes, altes Ikea Herzkissen und mein großer Kuschelelefant Manni, für den ich eigentlich ein extra Gepäckstück hätte aufgeben sollen. Außerdem bin ich zwar erstaunt wie gut ich manchmal französische Begriffe zusammenkriege, doch eine kleine Ausnahmesituation in der letzten Woche hat mir auch demonstriert wie hilfreich es ist, wenn man schnell und zu hundert Prozent verstanden wird.

Tief im Herzen möchte ich natürlich nicht gehen. Ich finde nämlich eigentlich, dass Heimweh durchaus auch etwas Schönes ist. Es zeigt mir nämlich, dass ich ein echtes Heimatgefühl überhaupt habe! Und vielleicht muss auch mal ein schlechterer Tag kommen, damit man den nächsten guten wieder zu schätzen weiß. Und meine Herzmänner Lennarth und Manni sind in ein paar Wochen auch noch da und dann garantiert doppelt so gemütlich.

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2 Kommentare zu „HEIMWEH

  1. Heimweh ist das kleine Stück zu Hause, das man überall mit hinnehmen kann. Es gibt einem die Sicherheit, dass jeder Ausflug in die Welt möglich ist, man hat immer eine Basis, auf die man sich freuen, in die man sich hineinträumen kann…du hast Recht, damit ist es durchaus etwas Schönes! Père

  2. Hey Linchen, ich lese immer noch mit voller Begeisterung Deine Berichte! Toll, was Dein Papa geschrieben hat und es ist so wahr. Jeder Auslantsaufenthalt ist mit Heimweh verbunden. Sieh den ,,Schmerz“ als Motivation und genieß die letzte Halbzeit in der tollen Stadt! Hamburg vermisst Dich und freut sich, dass man Dich bald zurück hat. Bist herzlich zu mir in Winterhude auf nen Kaffee eingeladen. Dann bin ich auf wunderschöne Fotos und natürlich auf Deine Stories gespannt. Tout amour, Laura

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